Venezuela 2003 – 2012

Venezuela 2003 - 2012

Januar - März 2003

Venezuela bietet dem Reisenden eine unglaubliche Vielfalt von verschiedenen Landschaften - von der heissen Karibikküste über die Anden bis zu den riesigen, tierreichen Sumpfgebieten in den Los Llanos oder den herrlichen Regenwälder an den Zuflüssen des Rio Orinoco und last but not least den fantastischen Savannen-Landschaften in der Gran Sabana mit seinen einzigartigen Tepuis - und wird dennoch recht wenig bereist. Woran mag das liegen ?

Bestimmt am negativen Image des Landes wegen der zumindest in den Städten sehr hohen Kriminalität, der allgegenwärtigen Korruption und den politischen Spannungen im Lande. Wir waren von Ende Januar bis Anfang März 2003 in Venezuela unterwegs. In dieser Zeit war die Lage im Land ziemlich unsicher, u.a. wegen den Streiks und Demonstrationen pro resp. kontra Hugo Chavez. Einige Länder hatten daher während dieser Zeit eine Reisewarnung ausgesprochen. Daher waren fast keine Touristen unterwegs, wir waren an vielen Orten die einzigen überhaupt.
Dennoch hat uns das Land mit seinen Menschen sehr gut gefallen, für uns war es eines der Highlights auf unserer knapp zehnmonatigen Reise durch Lateinamerika. Wer reiseerfahren ist und zudem gut spanisch sprechen kann, dem sei dieses Land sehr empfohlen! Der Grösse des Landes entsprechend sollte man mindestens 4 Wochen Zeit in eine Reise investieren.

Update August 2012: Ich war zwischen Dezember 2011 und August 2012 mehrmals geschäftlich in Caracas. Die Kriminalität in dieser Stadt ist leider extrem hoch geworden und gemäss Informationen von Einheimischen sei es auch in anderen Städten nicht mehr viel besser. Daher würde ich derzeit von Reisen nach Venezuela klar abraten, echt schade für dieses an sich so schöne Land!

Die nachfolgenden Orte in Venezuela haben uns speziell gut gefallen:

  • Trecking Monte Roraima
    Die Besteigung des etwa 2'700 m hohen Tepuis (Tafelberges) Monte Roraima ist ein Höhepunkt auf jeder Venezuela-Reise! Dieses Trekking gehört für uns zu den schönsten überhaupt, das wir bisher unternommen haben. Die Landschaft, Fauna und Flora, die Stimmung - alles ist schlicht fantastisch. Wenn am Nachmittag der Nebel hochsteigt und später Regen fällt, dann entsteht eine sehr mystische Stimmung und man wäre nicht überrascht, würde plötzlich ein Dinosaurier hinter einem Felsen hervortreten. Allerdings ist dieses Trekking, das meist 6 Tage oder mehr dauert, schon recht anspruchsvoll. Wir waren in den 6 Tagen fast 100 km zu Fuss unterwegs, auf dem Hin- und Rückweg zudem noch mit einem recht schwer beladenen Rucksack. Die Mühe lohnt sich aber, auch Du wirst begeistert sein! Geführte Touren werden in Ciudad Bolivar oder Santa Elena de Uairén angeboten.
  • Ciudad Bolivar und Gran Sabana
    Sofern es Dir nichts ausmacht, in einem von Turbulenzen durchgerüttelten Kleinflugzeug zu reisen, dann solltest Du unbedingt einen Flug über die Tepuis von Canaima nach Santa Elena de Uairén buchen. Die Landschaft unter und neben Dir ist schlichtweg atemberaubend und man versteht, weshalb diese Gegend als einer der letzten weissen Flecken auf den Landkarten galt. Kombinieren kannst Du diesen Flug z.B. mit einem Besuch von Canaima und einem Überflug über den Salto Angel, dem welthöchsten Wasserfall.
  • Bootstour auf dem Rio Caura
    Sehr empfehlenswert. Der Rio Caura ist ein Seitenfluss des Rio Orinoco und liegt weit abseits der Zivilisation in einem herrlichen Regenwald und ist mit vielen Inseln und grossen Granitfelsen durchsetzt. Viele Sandstrände laden zum Baden ein und die Tierwelt am und im Fluss ist ziemlich reichlich vertreten (u.a. Wasservögel, Flussdelfine, Rochen, Welse und andere Fische). An den Ufern des Flusses leben einige "halbzivilisierte" Indianerstämme, die bekannt sind für ihre schönen Handarbeiten.
    Der Rio Caura ist ein Schwarzwasserfluss und daher sind Moskitos glücklicherweise recht selten. Eine Bootstour bis zum Salto Pará und zurück dauert mindestens 5 Tage, geschlafen wird in der Hängematte in einfachen Camps an traumhafter Lage, wie z.B. El Playón, dessen feinsandiger Flussstrand es mit jedem karibischen Traumstrand aufnehmen kann.
  • Wildlife-Safari in den Los Llanos
    Die Los Llanos - übersetzt die Ebenen - sind topfebene Gras- und Savannenlandschaften und bedecken praktisch das ganze zentrale Landesinnere, nahezu einen Drittel der Landesfläche von Venezuela. Das Wetter ist sehr extrem hier - vom Mai bis November ist Regenzeit und praktisch alles steht unter Wasser während von Dezember bis April die Trockenzeit herrscht und alles unter der heissen Sonne vertrocknen lässt. Wegen diesem Klima ist die Gegend nur dünn besiedelt, riesige Viehranches (Hatos) von unglaublichen Dimensionen - hier wird in Quadratkilometer gerechnet, nicht in Hektaren wie bei uns - beherrschen das Bild.
    Dadurch bleibt viel Raum für eine wunderbare Tierwelt, insbesondere die Vogelwelt ist mit über 350 Arten extrem zahlreich vertreten, aber auch Säugetiere wie Wasserschweine (Cabybaras), Ameisenbären oder Flussdelfine sind häufig zu sehen, ebenso Reptilen wie Kaimane und Anakondas, die grössten Schlangen der Welt. Die Los Llanos gelten daher zusammen mit dem ähnlichen Pantanal in Brasilien als die besten Orte in Südamerika, um Tiere zu beobachten, vergleichbar mit den Tierparks in den Savannen Ostafrikas.
    Die beste Zeit für einen Besuch ist die Mitte der Trockenzeit, also etwa die Monate Februar bis März. Das meiste Wasser ist schon abgelaufen und die Tiere konzentrieren sich daher auf die verbleibenden Flüsse und Wasserstellen, d.h. sind relativ einfach zu sehen. Zudem ist die Landschaft noch nicht ganz ausgetrocknet und dementsprechend trostlos wie gegen Ende der Trockenzeit.